Fehmarn Sundbrücke Image

Sundbrücke statt Sundfähre

aus einer verrückten Idee wird Realität und daraus die Sundbrücke. Doch nachdem sie zum Wahrzeichen der Region Schleswig-Holstein wurde – sogar vom Amt für Denkmalpflege in Kiel bestätigt – wollen Politik & Deutsche Bahn den „Kleiderbügel“ nun wieder abreissen. Mehr als 3.000 Unterstützer konnten die Gruppe der „Sundbrücken-Retter“ innerhalb von kürzester Zeit anwachsen…

Sundbrücke statt Sundfähre

aus einer verrückten Idee wird Realität und daraus die Sundbrücke. Doch nachdem sie zum Wahrzeichen der Region Schleswig-Holstein wurde – sogar vom Amt für Denkmalpflege in Kiel bestätigt – wollen Politik & Deutsche Bahn den „Kleiderbügel“ nun wieder abreissen. Mehr als 3.000 Unterstützer konnten die Gruppe der „Sundbrücken-Retter“ innerhalb von kürzester Zeit anwachsen…

Am 4. Juli 1863 beantragt Gustav Kröhnke, Ingenieur & Landvermesser aus Glückstadt eine Konzession zum Ausbau der Eisenbahn in Dänemark. Mit seinem Plan den Fehmarnsund zu überbrücken ist er damit einer der Wegbereiter für die spätere Brücke & Fährverbindung.

1921, 19. Dezember Über die trostlosen Verkehrsverhältnisse zwischen dem Festland und der Insel Fehmarn ist in der Weihmarer Republik mehrfach berichtet worden. Nachdem die Fähre „Fehmarnsund“ sich im November 1921 bei einem Sturm losriss und strandete, wurde auf Antrag der schleswig-holsteinischen Abgeordneten Milberg und Bayer im preußischen Landtag die Überbrückung des Fehmarnsundes beschlossen.

1922, 22. November In einer Zuschrift des Ministers für Handel und Gewerbe heißt es, daß der Plan einer Überbrückung des Fehmarnsundes unter den gegenwärtigen Verhältnissen zurückgestellt werden müsse. Der Minister rief auch dazu auf ihm baldigst Vorschläge für die Verbesserung des Fährbetriebes zu machen.

1940 Im dritten Reich wird ein erster Entwurf für eine gemeinsame Hochbrücke von Autobahn und Bahnstrecke über den Fehmarnsund präsentiert.

1941, 31. Januar Gesetzesvorlage im dänischen Reichstag über eine Eisenbahnfähre „Belt“ mit dazugehöriger Verbindung Nyköbing - Falster - Rödbyhavn.

1941, 8. April Deutsch-dänisches Abkommen zur Schaffung einer Fährverbindung Puttgarden - Rödby mit dem Ziel:   Inbetriebnahme 4 Jahre nach Baubeginn.

1960 begann der Bau mit den Auffahrten auf Festland und Inselseite.  Fünf der 7 Brückenpfeiler wurden aus Stahlbeton im Trockendock gegossen und (ebenso wie die Molenköpfe für den Hafen Puttgarden) schwimmend nach Fehmarn gebracht. Technische Innovationen wie der Einsatz der Hubinsel oder Elektrobagger auf dem Meeresgrund machten die sagenhafte Bauzeit erst möglich.

1963 Die erstmalige Nutzung der Brücke erfolgte ab dem 16. Januar um die Versorgung der Insel sicherzustellen, da der Fährverkehr im Winter zum erliegen kam. Die Nutzung der Brücke wurde deshalb vorrübergehend mit Sondergenehmigung und auf eigene Gefahr gestattet. Die Mutter von Heiko Witt (ehemaliger Chefredakteur des FT) bekam eine dieser Genehmigungen, um Heiko im Krankenhaus zur Welt bringen zu können.

1963 konnte am 30. April die Brücke und der Hafen Puttgarden durch den Bundespräsidenten Heinrich Lübke und den dänischen König Frederik IX. feierlich eröffnet werden. Ein Bild der Fähre „Kong Frederik IX.“ findet sich auch unter Geschichte / Hafen.

 

Nur noch 240 m fehlen an der Fehmarnsund-Brücke

„Im nächsten Jahr soll die Vogelfluglinie fertig sein.

Nur noch der mittlere Teil fehlt bei der fast 1000 Meter langen Eisenbahn- und Straßenbrücke über den Fehmarnsund. Mit seiner eigenwilligen Konstruktion, die an zwei aneinandergelegte Kleiderbügel erinnert, wird dieser Teil der langen Brücke für die Skandinavier, die von Norden kommen, ein markanter Ansteuerungspunkt werden...“

So berichtete das Hamburger Abendblatt 1962. Und die Brücke hatte ihren Spitznahmen noch bevor sie fertig war. Solche Schätze wie diese Ausgabe des Abendblatt kommen bei Renovierungen und Umzügen zum Vorschein. Wer Fehmarn-Dokumente findet... wir freuen uns über alles und bringen es in den historischen Zusammenhang für diese interaktive „lebendige Dokumentation“.

 

 

Foto-Dokumente der Zeitgeschichte

Dankeschön für die tollen Bilder, die wir hier zeigen dürfen. Insbesondere an die Familie von Karl-Heinz Kalsow, Peter Esling, Thorsten Esling, Christiane Gösmann, Christiane Geiselbrecht, Sven Gorgos, Sundfaehre und natürlich an die Klahn-Sammlung. Wir sprechen auch noch mit Zeitzeugen und werden hier in Zukunft weitere Fotoraritäten zeigen.

 

„Allerdings kann die beste Gemeinschaftsarbeit (von Ingenieur und Architekt) nur Erfolg haben, wenn der Bauherr selbst Verständnis und Wagemut für kühne und neue Konstruktionen besitzt und auch bereit ist, für den Fortschritt und die Schönheit finanzielle Opfer zu bringen.“

 

Dr. h.c. Dipl.-Ing. Gerd Lohmer
Architekt der Fehmarnsundbrücke

Bau der Fehmarnsundbrücke & Fährbahnhof

Bau der Fehmarnsundbrücke

Einweihung der Vogelfluglinie

Aufenthalt in Puttgarden | DB

Wiedervereinigung

50 Jahre Vogelfluglinie

Einweihung der Vogelfluglinie

Video: lz38Sp28CIA

Aufenthalt in Puttgarden | DB

Video: G8zRDYMJWWw


Denkmalschutz & die Deutsche Bahn

Anfang der 1990'er Jahre, etwa zum 30 jährigen Jubiläum, wurde die Fehmarnsund-Brücke unter Denkmalschutz gestellt. Zu der Zeit war sowohl die Brücke noch gut in Schuß und die Deutsche Bahn noch keine Aktiengesellschaft. Damit war das Unternehmen nur dem Staat als Eigentümer verpflichtet und keinen Investoren. Der Rest der sozialen Marktwirtschaft, der nach den 80'er Jahren übriggeblieben war, hatte keine Chance gegen der Geist der neoliberalen Privatisierungen von Staatseigentum. Und der Geist der Privatisierung der Bahn wurde bald mit Hartmut Mehdorn personifiziert.

Die Vogelfluglinie kurz nach der Wiedervereinigung

Video: 5UNvT_VYVnE


Privatisierung

Hartmut Mehdorn's Bestrebungen als Vorstandsvorsitzender der Bahn, unter allen Umständen an die Börse zu gehen, haben nicht nur die Züge in Berlin jahrelang verkommen lassen – auch die Sundbrücke musste diverse Einsparungen bei den Instandhaltungskosten über sich ergehen lassen. Diesem Umstand der Privatisierung & Einsparungen zugunsten von Gewinnausschüttungen haben wir auch 2015 den Zustand der Sundbrücke zu „verdanken“.


Wenn es die Bahn anders sehen würde, könnte sie ja die gesamten Kosten der jeweiligen Sanierungsvorgänge der letzten 50 Jahre vorlegen. Eine unabhängige Auswertung und graphische Aufbereitung davon wäre sicherlich sehr aufschlußreich. Auch ein Timetable-Vergleich mit den Unternehmens-Meilensteinen aus dem Zeitraum wäre sicher spannend, doch dazu müssten die Informationen über die Sanierungsarbeiten offengelegt werden. Ob dies geschehen wird, das weiss wohl nur „die Bahn“.


50 jähriges Jubiläum

Wie bereits auf der Einweihung ging die visionäre Idee von Gustav Kröhnke auch auf dem 50.sten Jubiläum etwas unter. Doch erst durch die Ideen & Pläne des Ingenieur & Landvermesser's aus Glückstad war so ein Projekt überhaupt erst denkbar und wünschenswert. Er ist damit unbestreitbar einer der Wegbereiter für die Vogelfluglinie. Dies gehört gewürdigt und im Rahmen einer dänisch-deutschen Freundschaft entsprechend betont. Zu diesem Rahmen zählt eigentlich auch der, unter Denkmalschutz stehende, alte Leuchtturm Marienleuchte. Doch auch der scheint ein wenig, wie die Freundschaft, dem Verfall preisgegeben.


Am 1. Mai 2013 war es dann soweit und die offizielle Jubiläumfeier der Sundbrücke konnte begangen werden. Das Video von den Feierlichkeiten gibt es direkt hier darunter zu sehen.


50 Jahre Vogelfluglinie

Video: -9ixzoR8aSI

 

Das Aus für Wahrzeichen?

Der Landesverkehrsminister Reinhard Meyer lud zum 25.11.2015 auf die 3. Kommunalkonferenz zur Fehmarnsundquerung ein. Das angesetzte Thema war der Ausbau der B207. Anwesend waren unter anderen: die Konzernbevollmächtigte Manuela Herbort (DB), Bernd Homfeldt (DB), der Landesverkehrminister (SH), Torsten Conradt (LBV), Britta Lüth (LBV) und der Landrat Reinhard Sager.

Wie von Großenbrodes Bürgermeister Jens Reise befürchtet, waren die Tunnelpläne bereits vorzeitig aufgegeben worden. So kam die Variante der Bohrtunnels durch den Sund auf einen Nutzwert von 73 Prozent. Doch der Belt-Tunnel-Freund & Minister Meyer bekräftigte noch einmal: Alle vier Lösungsmodelle werden jetzt ergebnisoffen weitergeprüft. Wie jedoch so eine „ergebnisoffene Prüfung“ aussehen kann, ist im Falle des laufenden Planfeststellungsverfahren zur Beltquerung gut zu erkennen. Der Vorhabenträger Femern A/S spielt auf Zeit, ignorriert Einwände und liefert nach wie vor keine aktualisierten Zahlen.


Amt für Denkmalpflege

in Kiel sieht „Die Fehmarnsundbrücke – Wahrzeichen Schleswig-Holsteins“ sehr eindeutig. In etwa gleichzusetzen mit der Landesfahne und den Wappen von Schleswig-Holstein. Doch seit Ende November 2015, bei der Konferenz bei der, der anwesende Denkmalpfleger keine Einwände zum Abriss hatte, seitdem ist klar wie ernst man Denkmalschutz in Kiel nimmt. Schutz hies es mal – Denkmalschutz, doch Pflege ist sicherlich der bessere Begriff für diesen Umgang mit unseren „Wahrzeichen“.

Wo wird geregelt, wann die Denkmalpflege nicht dem Verkehrsministerium unterliegen muss? Von aussen betrachtet sieht es aus, als handeln die Ämter hier wie Arme, die nichts von ihrer gegenseitigen Existenz ahnen — im besten Fall zumindest. Mißtrauischere Betrachtungsweisen lassen deutlich unvorteilhaftere Szenarien entstehen, die auch Barschel aufhorchen liessen. Ob der Denkmalschutz in Brüssel in dieser Sache etwas unternimmt, bleibt abzuwarten.

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