Der Turmbau zu Fehmarn Image

Die Türme am Südstrand

und was der Design-Star Arne Jacobsen damit zu tun hat werden wir im Zusammenhang beantworten können. Gemeint sind natürlich die Türme der IFA, doch chronologisch betrachtet kam das Hotel Wartturm zuerst.

Die Türme am Südstrand

und was der Design-Star Arne Jacobsen damit zu tun hat werden wir im Zusammenhang beantworten können. Gemeint sind natürlich die Türme der IFA, doch chronologisch betrachtet kam das Hotel Wartturm zuerst.

Doch wir haben auch tolle Aufnahmen aus der Bauzeit der Türme — manche sagen ja auch „die drei Säulen der Antike“ dazu. Fakt ist der Designstar und Architekt aus Dänemark hatte starke Bedenken, als die Bauherren Hochhäuser sehen wollten, konnte sich damit aber nicht durchsetzen. Die drei Türme plante er niedriger als das Erlebnisbad des „Ostsee-Heilbades“, doch es sollte anders kommen…

Der Wartturm

Der Wartturm am Südstrand auf Fehmarn Badegästen und Omnibus
Wartturm am Südstrand mit Raddens Süßwaren und Badegästen

1910 wird der „Wartturm zur Glambeck“ auf dem östlichen Wehrhügel gebaut. Damit entstand 2 Jahre nach der Ausgrabung ein an die Burgruine angepasstes Hotel. Die mit reichlich Fenstern ausgestattete Etage unter dem Dach ließ eine hervorragende Sicht auf den Sund und Binnensee zu.

Auch Raddens Süßwaren waren damals schon sehr beliebt und am Südstrand einer der Anlauforte für Badegäste.

1914 brach jedoch der erste Weltkrieg aus und damit die Besucherzahlen ein.

 

Arne Jacobsen

1902 in Kopenhagen geboren gilt Arne Emil Jacobsen inzwischen als international bedeutendster Architekt und Designer Dänemarks im 20. Jahrhundert.
1927 beendete Arne Jacobsen sein Studium an der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen und ist anschliessend als Architekt tätig. Seine Designarbeiten und Bauten waren beeinflusst durch die Gestaltung und die konzeptionellen Ansätze des Bauhaus in Dessau. Prägend für Jacobsen's Werk waren Arbeiten von Ludwig Mies van der Rohe & Le Corbusier.
1965 wurde ein öffentlichen Ideenwettbewerb ausgeschrieben. Der Vorsitzende des Preisgerichtes, Karlsruher Professor Egon Eiermann, wie auch die anderen Juroren waren sich bald einig.
1966 erhielt Jacobsen gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Otto Weitling den Architektenauftrag. Geplant wurde ein Ostseeheilbad mit 3-4 stöckigen Gebäuden in einer fliessenden Form die sich gut den Gegebenheiten auf der Neue Tiefe anpassten und den Bedürfnissen von Feriengästen entgegen kam. Mittelpunkt der Bebauung sollten nicht mehr die palastartigen Hotelbauten sein, sondern die „Erlebniswelten“ des 20. Jahrhunderts. Das Erlebnisbad stand im Mittelpunkt.
1968 wurde das Haus des Kurgast eingeweiht. Es war das erste Gebäude das für das Seebad entstand. Der Stahlskelettbau mit zum Teil vorgefertigten Elementen aus Beton und Glasflächen korrespondiert mit jenen des Schwimmbads. Wie Inseln sind die einzelnen Nutzungsbereich in das Haus eingestellt. Der ebenerdige Bau weist eine großzügige Wirkung und ein hohes Maß an Transparenz auf.

 

Auch die Möglichkeiten zur Erweiterung der Anlage hatte Jacobsen in dem ersten Bebauungsvorschlag bereits angedacht und selbst beschrieben. Zunächst hatte er Atrien, später „Inseln auf der Insel“ präferiert. Bei Verfolgung der „Idee des linearen Planes“ sollte ein „unkomplizierter etappenweise Aufbau der Anlage“ ermöglicht werden. Ein Stufenkonzept also, daß später zu einem Gesamtbild aufeinander aufbauen, nicht 17 Etagen in den Himmel reichen sollte. Das Bauherrenkonsortium — mit einflußreichen Privat-Investoren — drängte allerdings auf größere Kapazitäten & gesteigerte Wirtschaftlichkeit. Sie umgingen damit die „Idee des linearen Planes“ für den Ausbau und verhielten sich auch sonst nicht sonderlich Kooperativ. Zudem bewirkte die Lobbyarbeit in Kiel, dass Behörden den Bau von den Hochhäusern sogar befürworteten! Entgegen allen Bedenken der Architekten, Einwohner und auch ohne den Naturschutz zu berücksichtigen, wurde in den Behörden zugunsten der Bauherren entschieden. Daraufhin machte das Architekturbüro einen „schönen“ Vorschlag für die Hotelbauten wie sich auch deutlich höhere Gebäude integrieren liessen. Ohne Korrekturwünsche oder einem anderen Kontakt mit den Architekten leitete das Bauherrenkonsortium die umgehende Realisierung ein.


„Otto und ich entdeckten, als wir mit dem Flugzeug nach Mainz flogen, dass man mit den Bauarbeiten begonnen hatte. Wieder großen Krach, aber es war nichts zu machen.“

so ein enger Mitarbeiter von Otto Weitling.


1971 verstarb Jacobsen am 24. März. Sein Partner Otto Weitling vollendete das Projekt gemeinsam mit einem neuen Partner.
1972 wurde das Meereswellenbad fertig gestellt.
1991 führte eine Initiative der Architektenkammer Schleswig-Holstein zur Eintragung des Meereswellenbades in das Denkmalbuch des Landes. Auch das „Haus des Gastes“ geniesst diesen Schutz, doch im Februar 2015 wurde mehrfach in das abgesperrte Gebäude eingebrochen. Vernachlässigt ist in diesem Kontext eher ein Euphemismus.


IFA Ferienzentrum Südstrand während Bauarbeiten mit BauzaunJacobsens Architektur zeichnet sich durch eine klare, an Geometrie und Material orientierter Formensprache aus. Diese leitete sich dabei weniger, wie es gern dargestellt wird, aus der Funktion ab ("form follows function"), sondern entsprang dem rigiden modernistischen Konzept Jacobsens.

Sein wohl bekanntestes Gebäude ist das 1960 gebaute SAS Royal Hotel in Kopenhagen. Jacobsen gestaltete sowohl das Gebäude als auch die komplette Inneneinrichtung.

Auch außerhalb Dänemarks und den USA hat er Gebäude entworfen. In Hamburg, Berlin, Hannover, in Mainz sogar das Rathaus, Castrop-Rauxel und sonst nur bei uns auf Fehmarn. Als seine jüngsten Bauten ist die Anlage am Südstrand auch ein Denkmal für den Architekten geworden — wenn auch deutlich höher, als er es sich gewünscht hatte. Die letzte architektonische Arbeit von Jacobsen sollte entsprechend gehegt und gepflegt werden. Trotz aller Veränderungen steht hier ein lebendiges, bewohntes Denkmal.

Selbst wenn einige die Entscheidung der Bauherren lieber Rückgäng machen und damit den Titel „Ostsee-Heilbad“ wieder rechtfertigen würden. Der Architekt würde sich sicher auch über späte Einsicht freuen. Einige der Foto-Raritäten sind von engagierten Privatpersonen digitalisiert und dann durch die Facebook-Gruppe „Fehmarn damals“ veröffentlicht worden. Die Quellen sind vielfältig, mit dabei wertvolle Photoplatten aus der Klahn-Sammlung, Linke's großartige Ansichtskarten-Sammlung, unzählige Schätze aus Familien-Fotoalben und Einsendungen von Fehmarn-Fan's. Danke an alle Beteiligten dafür.

 

Das Gesamtkunstwerk „Ostsee-Heilbad“

Die am Landesamt für Denkmalpflege angestellte Dr. Astrid Hansen hat sich sehr fundiert mit der Beurteilung des Gesamtkunstwerks „Ostsee-Heilbad als Denkmal“ in der Zeitschrift „Die Denkmalpflege“ auseinander gesetzt.

Fakten und Erkenntnissen hat sie zusammengefasst als „20-Punkte Liste“

  1. Die (derzeit noch) mangelnde Beachtung dieses Werkes hängt mit der unglücklichen Baugeschichte bzw. dem zum Teil gestörten Überlieferungszustand zusammen.
  2. Das Erscheinungsbild des Gesamtkunstwerks als „Ensemble“ ist durch Um-, An- und Neubauten erheblich bedroht.
  3. Der Bau geht auf einen 1965 ausgelobten öffentlichen Ideenwettbewerb zurück (Vorsitzender des Preisgerichtes war der Karlsruher Professor Egon Eiermann).
  4. 1966 erhielt Jacobsen gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Otto Weitling den Architektenauftrag, der nach Jacobsen Tod in 1971 das Projekt gemeinsam mit seinem Partner Hans Dissing das Werk vollendete.
  5. Die Planung sah eine Aneinanderreichung von Bauten unterschiedlichster Funktionen vor, mit einem in der Mitte der Anlage liegenden architektonischen Höhepunkt, nämlich dem Meereswellenbad.
  6. Mittelpunkt dieser Bebauung sollten nicht mehr die palastartigen Hotelbauten, sondern die „Erlebniswelten“ des 20. Jahrhunderts sein.
  7. Beim Meereswellenbad, 1971 - 1972 erbaut, steht der in ihrer Höhenausdehnung monumental wirkenden Nordansicht die niedrigere Südseite gegenüber, deren Ansicht nicht minder beeindruckend durch das hoch aufragende Dach geprägt wird. Wie ein Kristall am Meeresstrand wirkt die Halle, flankiert von zwei filigranen Flachdachbauten bei innen liegender Tragkonstruktion auf einer tieferen Ebene stehend. 
  8. Eine Initiative der Architektenkammer Schleswig-Holstein führte 1991 zur Eintragung des Meereswellenbades in das Denkmalbuch des Landes.
  9. Das Haus des Kurgastes, 1968 eingeweiht, war das erste Gebäude das für das Seebad entstand. Der Stahlskelettbau mit zum Teil vorgefertigten Elementen aus Beton und Glasflächen korrespondiert mit jenen des Schwimmbads. Wie Inseln sind die einzelnen Nutzungsbereich in das Haus eingestellt. Der ebenerdige Bau weist eine großzügige Wirkung und ein hohes Maß an Transparenz auf.
  10. Die Verwendung weniger, zuweilen edelster oder rein funktional erscheinender Materialien ist kennzeichnend für das Werk Jacobsens. Deutlich grenzte sich Jacobsen gegen den „Brutalismus“ der 1960er Jahre ab. Kennzeichnend für Jacobsen: Der Expressivität (Wucht von Bauten) stehen filigrane oder von Linearität geprägte Bauten zur Seite.
  11. Das Ostsee-Heilbad nimmt im Werk Jacobsen eine besondere Stellung ein und erinnert an andere Werke und Planungen Jacobsen. Im Werk Jacobsen ist die Ausseinandersetzung mit den konstruktiven Möglichkeiten des schrägen, hängenden, schwebenden oder fliegenden Daches, typisch für die Architektur der Moderne, ein immer wieder kehrendes Thema.
  12. Der von Jacobsen durchgestaltete schützende Bereich um das Schwimmbad und damit auch der ihn eigens umgehende Raum erscheinen verloren. Ohne Abstimmung mit den Denkmalbehörden hat der Betreiber die Entfernung des Plateaus durchgeführt. Nahezu belanglos sind nunmehr die von Jacobsen gewollte Einbindung bzw. Abgrenzung in die Naturlandschaft.
  13. Störend wirken innen wie außen eine entstellende aufdringliche Farbgebung, die Jacobsens zurückhaltender Farbskala widerspricht. 
  14. Die Wohnbauten sind bislang ebenso wenig bewertet wie der ebenfalls von Jacobsen entwickelte Yachthafen.
  15. Ein direkt hinter dem Haus des Kurgastes würde diesen durch einen entstehenden Neubau zum Foyer degradieren. Verloren gehen dann das Plateau und die Pergolen, die diesen „Pavillon der Moderne“ so kongenial umgeben. Bei dieser Planung würde dieser zu einer beliebigen Baumasse innerhalb einer verdichteten Anlage.
  16. Möglichkeiten der Erweiterung der Anlage hatte Jacobsen in seinem ersten Bebauungsvorschlag angedacht und auch selbst beschrieben. Zunächst hatte er Atrien, später „Inseln auf der Insel„ präferiert. Bei Verfolgung der „Idee des linearen Planes“ sollte ein „unkomplizierter etappenweise Aufbau der Anlage“ ermöglicht werden. 
  17. Durch die Bauten der Ferienwohnungen der Wohnanlage am Ende des Südstrandes sind architektonisch unterschiedliche „Inseln“ entstanden. Diese treten aber nicht in Konkurrenz zueinander und degradieren sich nicht gegenseitig.
  18. Im Umgang mit der Moderne wird der denkmalpflegerische Grundsatz des Konservierens der Originalsubstanz verinnerlicht. Damit wird auch die Frage der „denkmalgerechten“ Erweiterung und Instandsetzung unmittelbar angesprochen. Dies erfordert äußerte Präzision in der Erhaltung, Pflege und Weiterentwicklung.
  19. Zu fordern ist die Wiederherstellung des Plateaus und eine weitere „Entzerrung“ der Baumassen zueinander mittels Rückbesinnung auf die Werte und Details der Architektur Arne Jacobsens. Damit würden die Würde und Ausstrahlung des in der BRD einzigartigen Seebades der 1960er Jahre erhalten bleiben.
  20. Der Charme von Jacobsen Hallenbad verträgt keine derbe Nachbarschaft. Offen bleibt die Option des im Denkmalschutzgesetzes verankerten „Umgebungsschutzes“ für eingetragene Kulturdenkmale.

 Nachzulesen in der Zeitschrift „Die Denkmalpflege“, Nr. 63. Jahgang 2005, Heft 1, Seite 5-14

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